netzvitamine | Werkverbund für Beratung im Tourismus

netzvitamine - Werkverbund für Beratung im Tourismus

Innovation und Beratung aus einer Hand.

(Sie können mit den und Tasten scrollen.)














re:publica 12

Vertrieb im öffentlichen Tourismus: ein Auslaufmodell?

Print This Post     von: Thorsten Reich | 19. Januar 2012

HRS kauft hotel.de und kooperiert mit Amadeus. Google’s Hotelfinder stellt die Branche vor neue Herausforderungen. Newcomer wie gidsy.com, 9flats oder airbnb drängen mit neuen Geschäftsmodellen auf den Markt. Vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen im Vertrieb stellt sich für touristische Destinationen die Frage danach, ob man noch eigene Informations- und Reservierungssysteme (IRS) benötigt, oder ob es andere (sinnvollere) Handlungsalternativen gibt.

Die angemessene Beantwortung der Frage “IRS ja oder nein” ist dabei sehr komplex und sollte nicht auf einfache Faustformeln reduziert werden. Tatsache ist, dass viele Destinationen zwar (immer noch) Reservierungssysteme einsetzen, diese jedoch nicht mit der notwendigen Konsequenz den aktuellen Marktentwicklungen anpassen.

Basisvoraussetzung für den Eigenbetrieb von IRS

Zunächst spielt die Positionierung der DMO als Spezialist für die eigene Destination eine zentrale Rolle. Dies erfordert eine klare Nischenpositionierung sowie die Herausarbeitung der eigenen Alleinstellungsmerkmale – z.B. Spezialist vor Ort mit Insider-Know-how und besonderen,  marktrelevanten Produkten.

Voraussetzung hierfür ist eine konsequente Qualitätsstrategie mit dem Mut dazu, die von der Tourismuspolitik häufig eingeforderten Prinzipien “Gleichbehandlung” und “Gießkannenprinzip” fallen zu lassen und diese durch Marktmechanismen wie “Partnerqualifizierung” und “Vertriebssteuerung” zu ersetzen.

Der Qualität der angebotenen Unterkünfte (u.a. Einsatz eines Bewertungssytems) sowie der Qualität der Darstellung der Betriebe (hochwertiger Content: Beschreibungstexte, audiovisuelle Medien etc.) kommt hierbei eine besondere Bedeutung zu. Vertriebssteuerung bedeutet in diesem Zusammenhang auch die Konsequenz, Betriebe mit:Neue IBE der Gästeinformation Bad Hindelang/Allgäu (gelauncht am 15.12.2011; Teilintegration von feratel Deskline 3.0 durch IC-Tourismus)

  • hoher Produkt-/Service-Qualität
  • guter Bewertung
  • gast-orientiertem Content
  • besonderen Produkten
  • durchgängiger Online-Buchbarkeit

ganz oben in der Trefferliste anzuzeigen. Basis hierfür sind selbstverständlich transparente Kriterien, anhand derer der Partnerstatus der Betriebe definiert wird. Die Zeiten von Trefferlisten mit Anbieterausgabe nach “rollierendem Zufallsprinzip” gehören der Vergangenheit an.

Professionalisierung und Emotionalisierung des Buchungsprozesses

Die von den etablierten IRS-Anbietern angebotenen Internet Booking Engines (IBE) sind häufig nur sehr eingeschränkt in der Lage, den sich dynamisch entwickelnden Marktanforderungen angemessen zu begegnen. Dies betrifft insbesondere die Aspekte Sichtbarkeit in Google, als wichtigstem Touchpoint innerhalb der Customer Journey, sowie die erforderliche Professionalisierung und Emotionalisierung des Buchungsprozesses.

Für eine erfolgreiche Indexierung der Unterkunftsbetriebe in Google, ist die redundante Abbildung der Beherbergungsdaten im Content Management System (CMS) durch Datenübernahme aus dem IRS und regelmäßige Synchronisierung über entsprechende Schnittstellen unverzichtbar.  Dies ermöglicht auch die Anreicherung der Daten durch wichtige Elemente wie Social Plugins, Meta-Bewertungen (z.B. TrustYou) sowie Bewegtbilder im richtigen Kontext. Zudem können Basisanforderungen wie “Pretty URLs” auf diese Weise realisiert werden. Chancen liegen hierbei vor allem im Long Tail, da Google Places Schlagwortkombinationen wie “Ferienhaus + Ort” mittlerweile weitgehend uninteressant macht.

Die bestehenden Standard-IBE sind aufgrund der klassischen Integrationsmethoden (Lightbox, Include etc.) sowie der Gestaltungsvorgaben in der Regel nur mit Einschränkungen in den Workflow sowie das Look & Feel der touristischen Websites einzupassen. Hier haben die etablierten IRS-Anbieter jedoch reagiert und bieten mittlerweile XML-basierte Webservices an, auf deren Basis Destinationen eigenständige Buchungsstrecken im CMS abbilden können. Möglichkeiten dabei sindIBE der Hamburg Tourismus GmbH (Vollintegration von TOMAS)

  • Vollintegration: Abbildung der gesamten Buchungsstrecke bis hin zum Buchungsabschluss im CMS (siehe hamburg-tourismus.de). Stellt das Optimum dar, ist jedoch konzeptionell und monetär anspruchsvoll.
  • Teilintegration: Integration der Buchungsstrecke bis zum Warenkorb mit anschließender Verlinkung zur Standard-IBE des IRS-Anbieters. Entwickelt sich zunehmend zu einer Standardanforderung und ist mittlerweile zu überschaubaren Kosten realisierbar – insofern diese Anforderungen bereits in der Relaunch-Konzeption berücksichtigt wird. Wie gelungen so etwas aussehen kann, sieht man am Beispiel von Bad Hindelang.

Stärkung des Eigenvertriebs

Die Anbindung starker Vertriebspartner im Rahmen des Multichannel-Vertriebs (z.B. Casamundo, BestFewo, HolidayInsider, e-domizil etc.) sollte mittlerweile als Standard angesehen werden. Häufig wird dabei jedoch die Stärkung des “lokalen” Eigenvertriebs vergessen. Hierbei können sogenannte Local Affiliates eine wichtige Rolle spielen. Jede Destination verfügt über geeignete Partner mit gut frequentierten Websites, auf denen die DMO ihre Buchungsfunktionen einbinden können. Dies betrifft sowohl die eigenen Unterkunftsbetriebe (Pauschalen, Tickets etc.) als auch touristische oder wirtschaftliche “Leuchttürme” mit Vertriebsrelevanz (Messen, Events, Kultureinrichtungen, Brauereien etc.). Ein anschauliches Beispiel hierfür ist die Einbindung der Affiliate-IBE der Hamburg Tourismus GmbH auf der Website des Miniaturwunderlandes.

Zusammenfassung

Die wichtigsten Aspekte aus diesem Beitrag im Überblick:

  1. Klare Positionierung der DMO als Spezialist für die eigene Destination mit deutlicher Kommunikation der Alleinstellungsmerkmale
  2. Konsequente Qualitätsstrategie mit hochwertigem Content, aktiver Partnerqualifizierung und gezielter Vertriebssteuerung (Kontext!)
  3. Optimierung der Sichtbarkeit der Leistungsträger in Google durch CMS-basierte Indexierung aller relevanten Unterkunftsstammdaten und Integration von Social Plugins
  4. Professionalisierung und Emotionalisierung des Buchungsprozesses durch Realisierung eigener Buchungsstrecken auf Basis von Webservices
  5. Stärkung des lokalen Eigenvertriebes durch Local Affiliates in Ergänzung zum Anschluss starker Vertriebspartner (Multichannel-Vertrieb)
Print This Post    

Facebook ist kein rechtsfreier Raum

Print This Post     von: Michael Domsalla | 28. Dezember 2011 — 1 Meinung

easyJet wollte wohl die schnelle Nummer. Wir wissen, wie so etwas ausgeht. Die Airline hat einen prominenten Fan präsentiert, doch die Internetgemeinde durchschaute den Trick sofort.

Ross Antony, Schauspieler und Sänger, wurde als neuester Fan der Facebookseite hervorgehoben. Doch schon die erste Kommentatorin wurde hellhörig und wollte wissen, ob Antony nicht eher ein Testimonial ist.

easyJet war schnell mit einer – verschleiernden – Antwort dabei. Fehler! Man kann es ja versuchen, aber spätestens wenn Nutzer dahinter kommen, ist Offenheit angesagt. Das gebietet nicht nur der Anstand, sondern auch

  • Wettbewerbsrecht (§ 4 Nr. 3 UWG)
  • Telemediengesetz (§ 6 Abs. 1 Nr. 1 TMG), und die
  • Facebook-Werberichtlinien

Schleichwerbung bleibt Schleichwerbung, egal in welchem Medium. Irreführende oder täuschende Aussagen sind verboten. Schon deutlich länger, als Facebook existiert.

Es gilt: erst denken, dann posten! Niemand verlangt eine Antwort in Sekunden. Für diesen Zweck haben wir das super-einfache GENAU- Modell entwickelt. Leicht zu merken vor jedem Beitrag:

  G laubwürdig
  E inheitlich
  N ützlich
  A ktuell
  U eberlegt

Also: seien sie lustig, spannend, aufregend und unterhaltsam, aber immer auch genau.

Quelle: Perspektive Mittelstand

Print This Post    

Bedeutung der Customer Journey für Destinationsmanager

Print This Post     von: Benjamin Buhl | 24. November 2011 — 1 Meinung

Letzte Woche hat Michael Domsalla bereits ein paar spannende Zahlen zur Customer Journey im Tourismus veröffentlicht. Zahlen also, zum Weg des (potenziellen) Kunden auf seiner Reise von der ersten Urlaubs-Idee über die Buchung und das Erlebnis vor Ort – bis hin zur Weitergabe des Erlebten an Freunde und Bekannte. Hier möchte ich noch ein Stückchen weitergehen und den Zusammenhang zum Aufgabenwandel im Tourismusmanagement herstellen.

Speziell im Destinationsmarketing hat sich – durch die starke Zunahme der Bedeutung des Webs – bereits einiges getan, was die tägliche Aufgabengestaltung betrifft. Und Trend ist das keiner. Soviel ist sicher. Waren bisher die Kernaufgaben des Destinations-Tagesgeschäfts

  • die Vermittlung (und/oder die Buchung) von Zimmern
  • die Gästebetreuung vor Ort (Tipps für Aktivitäten, Ausgabe von Wander- und Radkarten etc.)
  • der Kartenvorverkauf von Veranstaltungen
  • die Imagewerbung und Bereitstellung von Informationen für die Recherche zu Urlaubsreisen (Printkataloge, klassische Internetseiten, klassische Werbung online wie offline etc.)

so sehen wir vor allem in den letzten zwei Jahren zunehmend eine Verschiebung dieser Aufgaben hin zu den Dingen, für die die Destinationsmanager (und damit meine ich nicht nur die Tourismuschefs) wirkliche Spezialisten sind: Kontext. Das heißt:

  • das Datenmanagement (die richtigen Informationen im richtigen Bezug dort bereitstellen, wo sich die potenziellen Gäste “bewegen” und von anderen Gästen inspiriert werden)
  • das Schaffen von teilbaren Erlebnissen vor Ort, die den Urlauber emotional bewegen, diese weiter zu erzählen (als Voraussetzung für das Datenmanagement)
  • und daraus resultierend die aktive Unterstützung der eigenen Leistungsträger auf dem Weg zur Professionalisierung, um gemeinsam diese Erlebnisse anbieten zu können (Infrastruktur und Basisarbeit).

Im Schaubild meiner Präsentation auf dem “4. Tourismustag Metropolregion Rhein-Neckar” sieht das ganze wie nebenstehend aus. Das rote “i” steht dabei in seiner jeweiligen Größe für die Wichtigkeit dieses Aufgabenbereichs im heutigen Tourismusmanagement. Getreu dem Motto “Tue Gutes und Deine Gäste erzählen darüber” ist es unabdingbar, in allen Stufen der Customer Journey präsent zu sein – und vor allem aktiv auch an den dort stattfinden Gesprächen teilzunehmen. Echtes 1:1-Marketing also.

Der Weg führt somit immer mehr zur digitalen Tourist-Info – mit deutlich anderen Aufgaben jedoch, als eine klassische Gäste-Informationsstelle vor Ort. Und auf diesem Weg müssen wir die von Google vorgestellten 5 Stages of Travel auf 8 Stufen erweitern. Warum? Weil die Digitalisierung im Zusammenhang mit der täglich zunehmenden Bedeutung von mobilen Endgeräten viel komplexere Anforderungen an das Destinationsmanagement stellt, als sie in nur 5 Stufen abgebildet werden können. Dies bedeutet nicht, dass deshalb Printprodukte und Offline-Aktivitäten komplett an Bedeutung verlieren; der Mix und ein “Crossmediales Denken” sind entscheidend. Stefan Möhler hat das beim Thema “Enhanced Inspiration” aufgezeigt.

Und der Gast?

Am besten, Sie sehen sich zu den Hintergründen und der chronologischen Entwicklung der Digitalisierung und der konkreten Bedeutung des beschriebenen Aufgabenwandels die vollständige Präsentation an – dann wird auch klarer, wo und an welcher Stelle der Gast mehr Aktivitäten der TouristInfo erwartet:

Print This Post    

Zahlen zur Customer Journey im Tourismus

Print This Post     von: Michael Domsalla | 16. November 2011 — 1 Meinung

Wann gab es mal einen führenden Marketingbegriff, der auch noch mit Reisen zu tun hatte? Die Customer Journey bewegt die Gemüter, ist aber schwer zu messen. Fast jeder Urlaub ist ein Impulskauf. Immer wieder geht die Reise vor der Reise von Neuem los. Dank Internet sind selbst ferne Ziele, so Nah wie nie – und vor Ort entdecken wir spannende Dinge, von denen wir nie gehört haben. Ganz sicher gehört die Customer Journey zu den großen Herausforderungen im Tourismus.

Aber es geht voran. Auf der Marketing on Tour in Berlin stellte die eTracker GmbH eine Lösung vor (PDF), um zumindest in digitalen Welten die Reise zu messen.

Nun hat auch der größte Reisekonzern der Welt, Google, Zahlen zur Journey präsentiert. Die Reisestationen und der Einfluß des Web sind:

  • Träumen: 68% der Geschäftsreisenden schauen sich Online Videos zur Reise an. Wiederum 68% von Ihnen denken an eine konkrete Reise.
  • Planen: Der durchschnittliche Reisende ist auf 22 Webseiten während 9,5 Suchsitzungen vor der Buchung.
  • Buchung: 37% der Urlauber wurden durch eine Webseite zur Buchung bewegt, 28% mehr als vor zwei Jahren.
  • Eindrücke: 70% der Geschäftsreisenden checken mobil in Ihr Hotel / Flug ein. Jede vierte Anfrage kommt von einem Handy.
  • Teilen: Jeder Dritte Reisende hat Bewertungen abgegeben.

Quelle: Google, The 5 Stages of Travel – hier kann man weitere Infos in der interaktiven Grafik erhalten (richtig – da kann man überall rumklicken ;-)

Mehr zum Thema Customer Journey heute auch bei KMTO: Online überholt Offline – in der Customer Journey

Print This Post    

Oberstaufen x Google = Enhanced Inspiration

Print This Post     von: Stefan Möhler | 2. November 2011 — 2 Meinungen

Genau ein Jahr ist es her, dass Oberstaufen als das “kleine Gallische/ Allgäuer Dorf” vor allen anderen in Deutschland bei Google Street View freigeschalten wurde. Damals mit den “richtigen” Zutaten für die #StreetViewTorte die wortwörtlich um die Welt ging. Heute präsentierte Oberstaufen nun den Ausbau der Google-Kooperation mit einer weiteren Innovation – zumindest im Tourismus.

Genau genommen sind es sogar 3 Neuigkeiten, die bei der heutigen Pressekonferenz vorgestellt wurden und mit denen Oberstaufen seinen Ruf als “digitalster Kurort Deutschlands” konsequent ausbaut:

  • erster interaktiver Destinationsprospekt
  • kostenloses WLAN in der Marktgemeinde als Gästeservice
  • digitale Servicepoints durch Übertragung des Tourist-Info-”i” ins Web

Im Laufe des Tages wurden vor allem zum neuen Urlaubsmagazin ausreichend Meldungen veröffentlicht, sodass wir hier nicht mehr
explizit drauf eingehen müssen. So zum Beispiel berichet die FVW ausführlich über den neuesten Clou, die Kollegen von Tourismuszukunft und natürlich die Oberstaufener selbst, in ihrer offiziellen Pressemeldung. Nur soviel: das Abfotografieren von Bildern mit Google Goggles führt zu inspirierenden Mehrwert-Infos in Form von Filmen und Animationen bis hin zur direkten Online-Buchung bei Oberstaufener Hotels; Enhanced Inspiration also im eigentlichen Wortsinn. Und: diese Entwicklung ist im Tourismus zunächst exklusiv für Oberstaufen.

Das kostenlose WLAN ist nicht zwingend eine Innovation – die Österreichischen Destinationen sind hier teilweise weit voraus – jedoch haben die Allgäuer auch hier wieder ein “i-Tüpfelchen” draufgesetzt: Zugang bekommen die Gäste rund um die Uhr mit der elektronischen Gästekarte. Damit sind nicht nur die in Deutschland geltenden rechtlichen Bestimmungen erfüllt, sondern auch eine gewisse Messbarkeit der Zugriffe ist gesichert; diese kann zur stetigen Optimierung der Serviceleistung verwendet werden.

Was uns besonders freut, ist die strategisch saubere Umsetzung der digitalen TouristInfo: Zur ITB im März diesen Jahres haben wir unsere Idee der “i-kone” veröffentlicht – die klare Kennzeichnung von touristischen Servicepoints im Netz. Oberstaufen hat dabei nicht nur auf allen Kanälen das rote “i” integriert, sondern setzt auch in der Kommunikation vorwiegend auf die Beantwortung von Gästefragen; und das auch außerhalb von Geschäfts- und Öffnungszeiten. Auch dazu gibt es hier die passende Meldung.

Was bleibt ist die große Frage nach dem Erfolg

Nun könnte man sagen, dass die technischen Innovationen ja alle nette Spielereien sind, die Akzeptanz und der Erfolg aber nicht wirklich nachgewiesen werden. Dazu lässt sich festhalten, dass das “Dauergesprächsthema Oberstaufen” prinzipiell sicher nicht schlecht ist; darüber hinaus wurden heute aber auch noch einige Zahlen veröffentlicht, die den Erfolg der #StreetViewTorte belegen. Am besten, Sie blättern einfach unten durch die Präsentation der heutigen Pressekonferenz und erhalten bei der Gelegenheit gleich noch einen Hinweis, dass die vorgestellten News nicht das letzte ist, was wir in diesem Jahr aus dem Allgäu hören werden; wir freuen uns jedenfalls für Bianca Keybach und ihr Team, es auf allen digitalen Wegen begleiten zu dürfen ;)


Print This Post    

Ein Beispiel für die Digitalisierung des Tourismus

Print This Post     von: Michael Domsalla | 28. Oktober 2011 — 6 Meinungen

+++ Warnhinweis: nicht für “Glas-Halb-Leer” Menschen geeignet. +++

“Near Field Communication” (NFC) wird ganz wichtig im Tourismus. Near was? Ist die Hotelrezeption nicht schon sehr “near”? Ein Begriff, der in der Fläche kaum bekannt ist, soll also sehr wichtig werden, sagt Tnooz, vielleicht DAS internationale Tourismusblog.

Nun wissen wir nicht, wann das wichtig wird, aber ganz sicher kommt das Thema schneller, als sich der Begriff begreifbar macht. Wenn die Millionen Smartphonebesitzer Ihren Supermarktbesuch mit Klick bezahlen, erwarten sie das überall.
Nun ist es sicher nicht so schwer, sich dann so ein Gerät hinzustellen, mit dem das geht. Aber ist es das, was dann erwartet wird? Geht es nur ums Bezahlen?

Stephen Vanderpool von NerdWallet stellt das Beispiel Flughafen vor. NFC dient nicht zum Buchen des Tickets, aber sonst für fast alles. Checkin und Gepäckaufgabe werden drahtlos über das Smartphone abgewickelt. Der Zutritt zur Lounge, sowie alle Käufe an Board gehen ebenso spürlos und luftig. Der weitere Transport in die Stadt wird vorab zugekauft, über NFC auf dem Smartphone gespeichert und mit Infos nach der Ankunft gelenkt und organisiert. Das Ticket ist dabei. Kein Fummeln mehr und suchen. Alles geht ohne Papier mit dem Smartphone – und selbst ohne spezielle Apps zu bedienen. Einfach und bequem.

Wenn man bedenkt, daß Bequemlichkeit die wichtigste Wirtschaftskraft ist, kann man sich vorstellen, wie schnell sich das durchsetzt, wenn es erstmal da ist. Derzeit testet z.B. New Jersey NFC zusammen mit Google anhand des kompletten Transportsystems: Bahn, Bus, Flugzeug.

Aber warum schreibe ich das hier? Damit sich alle mit NFC beschäftigen? Nein. Schauen Sie besser auf den Rest. Wenn sie alle diese Services, die NFC bietet, auch haben wollen – und das wird sicher so Standard und wichtig wie Wellnesskeller – dann brauchen Sie funktionierende Daten und Prozesse.
NFC ist so ein schönes Beispiel, weil es so einfach ist. Es macht deutlich, wie schnell sich grad noch unbekannte digitale Tools durchsetzen können. Aber dafür brauche ich digitale Prozesse.

Es geht einfach nicht um schicke Facebook- Aktionen. Es geht um die umfassende Digitalisierung unseres Lebens. Wenn Sie heute Hotel sind und “Service” denken, dann denken Sie bitte “digitaler Service”. Wenn Sie Destination sind und “Produkt” denken, denken Sie bitte “Individuelles Produkt” (ja, dafür brauche ich auch digitale Daten und Prozesse). Und wenn sie Veranstalter sind, dann denken Sie bitte beides (individuelle digitale Services und Produkte).

Das führt dann dazu, daß sie alles haben, was Sie brauchen, wenn NFC kommt. Oder irgendeine andere Technologie, deren Namen wir noch nicht kennen. Wenn die Strategie professionell ist, baut alles aufeinander auf.

Nur ein klitzekleines Beispiel: Twitter ist jetzt Teil des Applebetriebssystems. Nach dem Checkin im Hotel über NFC, kann der Gast sofort einen Tweet absetzen mit Lokalisierung und erster Einschätzung des Hotels – automatisch. Dann wissen seine Bekannten wo er ist und wie es ihm geht – und wie Ihr Hotel heisst. Das Hotel wiederum kann den Gast auf sein Lieblingsessen im Restaurant hinweisen und einen Coupon für die Massage speichern. (Das sie das Lieblingsessen da haben, liegt natürlich auch an den digitalen Daten und Prozessen. Genau wie das Wissen, daß Coupons wg. der Auslastung der Masseuse gerade wichtig sind.) Alles automatisch. Einfach so. Wenn die Prozesse installiert sind.

Und jetzt? Wie Kabarettist Fritz Eckenga so schön sagt: ”Da kannst Du in der nächsten Halbzeitpause mal ‘ne Viertelstunde drüber nachdenken. Viertelstunde nachdenken? Das schaffst Du schon. Glück auf!”

Print This Post    

Usability first: der Google Hotelfinder

Print This Post     von: Benjamin Buhl | 18. Oktober 2011 — 8 Meinungen

UPDATE [2011-10-18]

Den Hotelfinder gibt es ab sofort auch mit deutschen, österreichischen und schweizer Städten und Orten – probieren Sie es aus: “Hamburg”, “Berlin”, “Bad Hindelang”, “Innsbruck”, “Bern” usw. liefern Treffer vieler großer (und auch schon kleinerer) Hotels und lassen so die Funktionsweise noch viel deutlicher erleben. Und: die Suche funktioniert auch mit ganzen Regionen. Über die Karteneingrenzung ist sogar die übergreifende Suche zwischen mehreren Regionen, Bundesländern und sogar Ländern möglich – das ist mal richtige Gast-/Userorientierung!

Eins ist damit sicher: “Experiment” wird Google zeitnah beim Hotelfinder streichen, DMOs verlieren extrem an Bedeutung im Vertrieb (zumindest in der Hotellerie; wobei die Integration Parahotellerie bestimmt nicht mehr lange auf sich warten lässt) und das, was ich bei der Flugsuche in Bezug auf die Customer Journey angekündigt habe, ist auch keine Theorie mehr…

_____ ursprünglicher Beitrag von 2011-07-29 ____

Das Leben/ Die Urlaubsplanung ist eine Suche. Und damit wird Google seinem Slogan seit gestern Abend wieder ein Stück mehr treu. Denn seitdem gibt es den neuen Hotelfinder. Auch wenn dieser vorab nur für Regionen in den USA getestet werden kann, so zeichnet sich der Weg, den Google eingeschlagen hat immer mehr ab:

  • mit dem ITA-Kauf (Flug-Metasuche) werden zukünftig Packages direkt in Google “zusammenstellbar” sein
  • mit Google+ ist ein weiterer, großer Schritt in Richtung Social Search eingeleitet worden
  • der neue Hotelfinder bildet einen elementaren Baustein der Reiseplanung ab: die Übernachtung als fundamentalste Urlaubsleistung

Schon in dieser ersten Version des Hotelfinders zeichnet sich deutlich ab, dass Google alle Kernkompetenzen mit den gewohnten und gelernten Einstellungen des Suchenden vereinigt hat – und zwar ziemlich charmant und Userfreundlich:

  • Lage: Google Maps (als nach wie vor umfangreichste Kartentechnologie) zeigt automatisch das beliebteste “Viertel” der jeweiligen Stadt an – und das per “Heatmap”. Beliebte Bereiche werden heller dargestellt als der Rest; und diese ergeben sich aus CheckIns und geolokalisierten Posts via Google+ sowie Bilder-Uploads vom Google-eigenen Bilderdienst Panoramio (ebenfalls georeferenziert). Je nach gewünschter Ergebnis-Vielfalt kann ich den Bereich beliebig erweitern und verändern -innerhalb der Karte! Und das ist das größte Ass, was Google im Ärmel hatte: die intuitive Kartenfunktion macht schon zuvor die Region ein Stück weit erlebbar und die Suche nach der passenden Unterkunft damit um einiges komfortabler als auf einigen anderen Plattformen.
  • Anreise- und Abreisedatum: übersichtliche Kalenderauswahl, wie bei allen erfolgreichen Buchungsplattformen.
  • Preis: über einen dynamischen Schieberegler lässt sich so die Trefferliste eingrenzen/erweitern.
  • Klassifizierung: einfache Buttons verfeinern das gewünschte Ergebnis.
  • Bewertung: vorwiegend wird hier auf die Places-Bewertungen der Hotels zurückgegriffen.
  • Vergleichbarkeit: die dynamische Trefferliste bietet einen schnellenÜberblick mit Bildergalerie, Preis, Kurzbeschreibung, Bewertungen, Klassifizierung und Lage.
  • Shortlist: um sich interessante Hotels zu merken und anschließend nochmal zu vergleichen kann man diese in der “Shortlist” ablegen undjederzeitbequem wieder darauf zurückgreifen.
  • Buchbarkeit: wie schon im Hotelpreisvergleich bei Google Maps wird hier auf Expedia & Co. zurückgegriffen und die Buchungsabsichten des Suchenden direkt dorthin weitergeleitet.
  • Sortierung: die Trefferliste wird (in Abhängigkeit der Einstellungen des Suchenden) standardmäßig nach der Bewertung ausgespielt, kann aberauch auf Klassifizierung, Preis pro Nacht sowie Sonderangebote umgestellt werden.

Und was sagt uns das?

Wieder ein Signal mehr, dass es höchste Zeit wird für alle touristischen Unternehmen – und vor allem für die Hotellerie – ihre Places-Einträge zu claimen/verifizieren (angeben, dass man der Eigentümer ist) und/oder die Einträge zu optimieren:

  • Bildergalerie (bestenfalls Panoramio UND Picasa)
  • Videos (per eigenem YouTube-Account)
  • Kontakt- und Adressdaten
  • Beschreibungstexte

Außerdem sollten sich alle (kleineren) Gastgeber so allmählich die Frage stellen, woher sie zukünftig ihre Buchungen bekommen möchten, wenn sie immer noch nicht online auf den wichtigsten Plattformen buchbar sind (booking.com, Expedia, hotels.com, etc.)?

Dazu kommt, dass meine “Vorhersage” der Bedeutung von Google+ für die Reisebranche sicher nicht zu hoch gegriffen war, im Gegenteil: Um zu den beliebtesten Arealen in einer Destination zu gehören sind geobasierte Postings via Google+, CheckIns via Latitude, Bilderuploads via Panoramio und (viele gute) Bewertungen bei Google Hotpot von Bedeutung. Und: all diese Dinge beeinflussen nicht nur die Hotelsuche sondern auch die “Standard”-Googlesuche sowie die Interessensuche (Sparks) bei Google+. Was Sie nun tun können, um sich auf die (wohl bald kommenden) Unternehmensseiten bei Google+ vorzubereiten?

  • melden Sie sich bei Google Plus an und probieren Sie ein bisschen (mit einem privaten Profil!)
  • richten Sie einen Account für Ihr Unternehmen bei Google Mail ein (unternehmensname@googlemail.com); dient als Login für alle künftigen Google-Dienste
  • integrieren Sie den Google +1-Button auf Ihrer Unternehmenswebsite
  • beachten Sie die Punkte von oben (Placeseintrag, YouTube-Account, etc.)

Es gibt also einiges zu tun, damit Sie auch gefunden werden und nicht selbst irgendwann suchen müssen, woran es liegt, dass Ihre Gäste Sie ggf. nicht mehr finden – denn Google ist (und bleibt erstmal) die Seite No.1 im Internet… BTW: mit der Einführung des Hotelfinders wird übrigens auch deutlich, welche Rolle Metasuchmaschinen wie Trivago & Co. zukünftig spielen: keine allzu große mehr würde ich sagen. Denn die Suche beginnt nicht “im Internet” sondern bei Google (zumindest bei 90% der User in deutschsprachigen Ländern).

PS: noch eine (erste Bedeutungs-)Einschätzung: DMOs (zumindest Flächendestinationen) können sich so langsam Gedanken darüber machen, ob und wie lange sie mit Hotelbuchungen noch Umsätze generieren. Ich wage zu behaupten, dass in spätestens 2 Jahren eine Vollintegration und strategische Verknüpfung aller Googletools (Maps, Hotelfinder, Plus, etc.) weitaus rentabler sind, denn die Aufgaben der DMO ändern sich jetzt schon zusehens.

Print This Post