netzvitamine | Werkverbund für Beratung im Tourismus

netzvitamine - Werkverbund für Beratung im Tourismus

Innovation und Beratung aus einer Hand.

(Sie können mit den und Tasten scrollen.)














re:publica 12

Trends im touristischen Vertrieb

Print This Post     von: Thorsten Reich | 24. März 2011 — , , , — 1.678 Leser

Auf dem diesjährigen DSFT Branchentreff “Online-Marketing” wurde u.a. das Thema Vertrieb aus Sicht der Destinationen intensiv diskutiert. Ich hatte in meinem Beitrag ausführlich die wesentlichen Trends im touristischen Vertrieb erläutert und möchte heute nochmals die abschließenden Gedanken aus meinem Vortrag kurz zusammen fassen.

Die äußerst dynamischen Entwicklungen der letzten Jahre haben den Wettbewerb im touristischen Vertrieb deutlich verändert und zu Ungunsten der DMO (Destination Management Organisation) verschärft. Die nachfolgende Graphik fasst die vertriebsrelevanten Trends im Wettbewerbsumfeld der DMO zusammen:

Graphik: Trends im Wettbewerbsumfeld der DMO

Verdrängungsrisiko und Substitutionsdruck steigen durch ADS (Alternative Distributions System) und OTA (Online Travel Agency) – u.a. HRS, Booking, hotel.de, Expedia – insbesondere für die DMO in den Städten; aber auch in der Fläche ist eine ähnliche Entwicklung absehbar und private Parahotellerieplattformen gewinnen zunehmend an Bedeutung (u.a. Bestfewo, Casamundo, e-domizil, Holidayinsider).

Professionalisierung, Spezialisierung sowie eine strategische und konzeptionelle Neuausrichtung der Vertriebsaktivitäten sind in dieser Situation wesentliche Anforderungen an eine DMO. Dabei erscheint der Eigenbetrieb von Reservierungssystemen mittelfristig nur noch bei sachlicher Notwendigkeit (z.B. Fehlen einer vergleichbaren privatwirtschaftlichen Alternative), klaren Alleinstellungsmerkmalen und wirtschaftlichem Betrieb zielführend. Best Practise Beispiele wie Hamburg weisen hier den Weg.

Wirtschaftlichkeit sollte hierbei von der Tourismuspolitik jedoch neben den betriebswirtschaftlichen Kennzahlen dringend auch unter volkswirtschaftlichen Aspekten betrachtet werden. Dies gerät aufgrund der in jüngster Vergangenheit häufig leeren öffentlichen Kassen leider zunehmend in Vergessenheit. Die wenigsten von DMOs betriebenen Reservierungssysteme rechnen sich unter Vollkostenbetrachtung! Eine stärker volkswirtschaftlich orientierte Interpretation von Wirtschaftlichkeit darf jedoch kein Deckmäntelchen für den Weiterbetrieb nicht marktfähiger me-too-Projekte sein, die heute kritisch hinterfragt werden sollten!

Public Private Partnerships kommt vor dem Hintergrund dieser Entwicklung eine zunehmende Bedeutung zu; ADS wie HRS oder Booking sind bereits heute für viele DMOs eine relevante Alternative zum eigenen Reservierungssystem (vgl. Köln, München, Worms). Hier wird jedoch leider häufig die Sicherstellung einer gestaltenden Einflussnahme durch die DMO vernachlässigt – ein bloßes Einbinden von Affiliate-Masken kann hier nicht die Lösung sein.

Unabhängig von den spezifischen Ausgangsbedingungen vor Ort sowie relevanter Handlungsalternativen ist es aus meiner Sicht aktuell äußerst wichtig, dass sich die DMOs strategisch und konzeptionell mit dem Thema Vertrieb auseinander setzen. Ziel muss es sein, in diesem für die Marktpräsenz und Imagebildung einer Destinationen so wesentlichen Themenfeld mittelfristig nicht jegliche Einflussnahme zu verlieren.

Zusammenfassend stellt sich also nicht weniger als die zentrale Frage danach, was in Zukunft die Aufgaben der DMO im Vertrieb sein könnten und wie diese sich mittelfristig finanzieren sollen. Ich würde mich sehr freuen, wenn wir im Rahmen des DestinationCamp die Gelegenheit finden, dieses Thema weiter zu vertiefen und freue mich schon jetzt auf spannende Diskussionen.

Wenn Sie das Thema gerne auf der Agenda des DestinationCamps sehen würden, nehmen Sie einfach an der Branchen-Befragung teil!

Print This Post    

Was denken Sie?

Bitte bleiben Sie höflich und beim Thema.

Connect with Facebook

Kommentare

Hallo Thorsten, ich finde es klasse, dass @netzvitamine das Thema Vertriebsplattformen und Reservierungssysteme bei den DMOs hinterfragt. IMHO sollten – bis auf wenige beispielgebende Ausnahmen – die DMO ihre Mittel und Manpower stärker auf die Positionierung im Wettbewerb konzentrieren. Ein herausgehobenes Image der Destination ist eine gute Grundlage für die Entstehung bzw. das Interesse privatwirtschaftlicher Vertriebsstrukturen.

Wolfgang Weiler

24. März 2011

finde das Chart super auf den Punkt gebracht. Ist ideal für unsere Studierenden als Ergänzung zum Script “DMO”. Wir haben einige Semesterprojekte zum Thema Destinationsmanagement gemacht, u.a. mit Hamburg Tourismus in 2010. Das ist super hilfreich

Ansgar Jahns

24. März 2011

warum sind private Plattformen wie z.B. Bestfewo erfolgreich und die Reservierungssystem der DMOs meist nicht??? Ich könnte mir sogar vorstellen, dass vielen DMOs sogar weit mehr Geld für den Start zur Verfügung stand, als Bestfewo?!? Ich könnte mir vorstellen, dass bei der Antwort das eigentliche Problem der DMOs zu finden ist…

Olaf Stehr

4. April 2011

@Olaf Stehr: Interessante Fragestellung und die Antwort hierauf müsste wohl sehr differenziert ausfallen… man sollte hierbei jedoch nicht vergessen, dass Bestfewo selbst auch auf die Systeme der DMO zugreift, die den Job vor Ort erledigen. Wie wäre es wohl um das Geschäftsmodell von Bestfewo, Casamundo, Holidayinsider und Co. bestellt, wenn diese jeden Leistungsträger persönlich akquirieren und betreuen müssten?

Thorsten Reich

4. April 2011

1 notizen

  1. Vertrieb im öffentlichen Tourismus: ein Auslaufmodell? | netzvitamine | Werkverbund für Beratung im Tourismus weitergegeben:

    [...] angemessene Beantwortung der Frage “IRS ja oder nein” ist dabei sehr komplex und sollte nicht auf einfache Faustformeln reduziert werden. Tatsache ist, dass viele Destinationen zwar (immer noch) Reservierungssysteme einsetzen, diese [...]